Ich komme aus polarisierten Lichtern
und aus der dunkleren Gardine.
Reich geboren bin ich im Land der Sonne,
reif geworden im Lande Wonne.
Ich bin ein Wanderer in der Berge Schoß
O’ Weimar! Gott vergönne dir,
du Schöne, allezeit ein glücklich Los
Hier lenke ich die Schritte und erflehe des Geistes
Gunst
von den Menschen, die gesegnet sind mit Wissenschaft
und Kunst.
O’ Goethe, O’ Hafez!
Ich werde noch weinend den Wein trinken,
und werde taumeln,
und werde doch frei umher schauen,
gibt Antwort! Du Neugeborener!
Gibt’s eine hier in dieser Stadt,
der nicht genauso wäre?
O’ Weimar!
O’ Shiraz!
Obwohl ich Angst habe,
bin ich selber ja nur jedweder Art
von Lustbarkeit beständig
auf der Spur und auf der Spur
euerer vereinten Seele
und ich bin, der jene Menschen
euch, vom Himmel, von der Erde,
möchte betrachten für ewig.
Ein ewiger Tag vergeht nimmer.
Und heute ist der Tag der Ewigkeit.
Der Tag für gestern und für morgen,
für Morgen und für Frühling.
Ich presse eueren glühenden Herzen,
da die Wahrheit des Lebens bleibt ewig,
da die Liebe bleibt beständig,
in dieser Welt und in der Nachwelt.
Das ist mein Zeichen,
dass ich auch ja
die unsichtbare Gasse überquere,
dass ich auch ja
euren unsichtbaren Weg fortfahre
und dieser Weg ist mein Schicksal,
er ist weder weit noch gar leicht.
Einen langen Weg fahre ich fort,
der mir unendlich erscheint,
im fremden Morgenland,
dass es mir nie fremd erscheint.
Stumm und allein,
fand ich den Urstoff der Liebe,
und fand das Geheimnis der duftenden Rose
zwischen Shiraz und Weimar,
wie ein Tropfen im Meere,
werde ich doch schwanken,
in jeder Zeit,
in der Mitte des Abend – und Morgenlands
im Zentrum des Himmels, der Erde.
Als Wanderer verbringe ich meine letzten Jahre
Eine Vorbereitung ist aufs Unsichtbarer.
Ich komme von weit her.
Vom Okzident, vom Orient
und fühle mich; wäre ich zu Hause,
und freue mich: wäre ich in eurem Schoß,
und wünsche: wäre ich nicht sichtbar
weder in Shiraz noch in Weimar
Doch!
In eurer unsichtbaren Liebe.
Im Orient und im Okzident.
…und basta!
(Gholam Ghanizadeh) |

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1- Ghazal: Farid-addin Attar-e Nishaburi
(12.Jh.)
Versunken bin ich in einem Meer, dessen Ende ich
nicht sehe,
Heimgesucht bin ich von einem Schmerz, dessen
Heilung ich nicht sehe.
Wenn du den Geliebten suchst, verzichte o Herz
auf dein Leben,
denn wer die Kerze des geistes sucht, hat keine
Furcht zu verlöschen.
Warum trachtet ihr nach einem Schatz, dessen
Geheimnis ich nicht schaue?
Warum suche ich einen Weg, dessen Ende ich nicht
sehe? |

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3- Ghazal: Farid-addin Attar-e Nishaburi
(12.Jh.)
Wie sollte ich um dieses uferlose Meer wissen,
dessen Dunst zum Himmel und dessen Boden zur
Erde wird?
Überall am Meer herrscht Unglaube, Gläubige
sind das Meer;
Die Perlen des Meeres aber sind jenseits von
Glauben und Unglauben! |

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4. Ghazal: Djalal-addin Mohammad Balchi-ye
Rumi (13.Jh.)
Klage nicht o Herz, auf das mein Geliebter es
nicht hört.
Fürchtest du dich etwa nicht o Herz vor
meinem kühnen Geliebten?
Schreite nicht o Herz in mein Blut, in meine Tränenflut,
hast du meine bittere Klage nicht gehört,
vom Abend bis zur Morgenröte?
Um Gnade bat ich, um mein Leben; nun will ich,
dass du einmal noch meinen Rausch stärkst,
du berauschender Schenk!
In deine Falle bin ich geraten; wie könnte
ich mich verlieren ohne deinen Kelch?
Tausche meine Seele gegen einen Becher und sieh,
wie wertvoll ich werde! |

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5 & 8 – Ghazal: Houshang-e Ebtehadj
H.E. Sayeh (20Jh.)
Der Vogel meines Herzens gewöhnte sich so
sehr an die Schlinge deines Leidens,
dass ihm die Erinnerung an das Paradies in diesem
Käfig nicht schwindet.
Im Duft Deiner Locke verweile ich in dieser dunklen
Nacht,
wie könnte ich sonst wie die Morgenröte
atmen!
Flehende Tränen opfere ich für das Seufzen
des Morgens,
da dein schenkender Saum, o Rose, mir doch nicht
abhanden kommt.
Nun brenne o Herz, und entflamme mit der Seele
das Feuer der Liebe,
weil aus dieser Lampe kein Rauch ins Auge geht.
Wie schön ist das schlagen der Nachtigall
meiner Dichtung,
denn die Anmut der Rose kann nicht jeder Dorn
besingen! |

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6- Ghazal: Shams-addin Mohammad Hafis-e
Shirazi (14.Jh.)
Wer erzählt den Zustand des blutigen Herzens
wieder ?
Wer verlangt vom Himmel das Blut des irdenen
Weinkrugs zurück?
Wer, wie die Tulpe den Kelch kreisen lässt,
wird unheilsam seine Wange mit Blut waschen.
Außer Platon, der ruhende Wein im Fass:
Wer wagt das Geheimnis der Philosophie uns zu
offenbaren ? |

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9- Ghazal: Shams-addin Mohammad Hafis-e
Shirazi (14.Jh.)
Einen NU mit dem Leid leben, ist nicht die Welt
wert,
verkaufe meine Kutte für Wein, denn sie
hat keinen besseren Wert.
In der Gasse des Schenken wird mein Pfand nicht
angenommen,
O wie schön ist der Gebetsteppich der Tugend,
er ist nicht mal einen Becher wert.
Manch Tadel und Verweis vernehme ich von meine
Gegnern,
was für ein Los traf mein Haupt, dass es
des Türstaubs nicht wert.
Die Pracht der Sultanskrone, welche mit der Furcht
der Lebens verbunden,
ist eine betörende Mütze; den Kopf
dafür hergeben ist sie aber nicht wert.
Leicht erschien das Leiden der Seefahrt, als noch
der Duft des Gewinns lockte,
doch wie irrte ich mich, da dieser Taifun nicht
hundert Perlen wert.
Es wäre besser, wenn du dein Antlitz vor
dem Sehnsüchtigen verbärgest,
denn die Freude der Welteroberung ist die Mühe
für ein solches Heer nicht wert. |

O glücklich! wer noch hoffen kann,
Aus diesem Meer des Irrtums aufzutauchen.
Was man nicht weiß, das eben brauchte man,
Und was man weiß, kann man nicht brauchen.
(Johann Wolfgang von Goethe)
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